Weg der Verdauung

bild | monika-grabkowska | unsplash.com

Verdauung & Stoffwechsel

Augen und Geruch
Neben dem Grund „Weil wir hungrig sind“ gibt es noch weitere Auslöser, warum wir essen. Neben Energieträgern wie Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß sind wir auf Vitamine, Mineralstoffe Ballaststoffe und Sekundärstoffen angewiesen. Doch Essen ist weit mehr: Es kann Emotionen verstärken, Langeweile unterdrücken oder als Stressregulator fungieren Denken wir nur an das Lieblingsessen unserer Mutter oder die Tafel Schokolade, wenn es einmal Stress oder Liebeskummer gibt. Allein durch das Aussehen, dem Geruch und den Geschmack appetitlich wahrgenommener Speisen und Getränke wird die Produktion von Speichel angeregt und unserem Körper signalisiert, sich auf die bevorstehende Nahrungsaufnahme vorzubereiten. Es werden vermehrt Speichel und Verdauungsenzyme bereitgestellt. Der Herzschlag erhöht sich. In der sogenannten Kopfphase werden alle Vorkehrungen getroffen, um die Verstoffwechselung des eintreffenden Nahrungsbreis zu gewährleisten.

Mund
Rein mechanisch wird die Nahrung im Mund zerkleinert. Wenig feste Nahrung wird mit der Zunge am Gaumen zerdrückt. Um diese weiter transportieren zu können, muss daraus ein schluckbarer Brei entstehen. Dies geschieht durch die Vermengung mit Speichel. Ein Reflex ist Ursprung der Speichelproduktion. Speichel besteht nicht nur aus Wasser: Er enthält auch Mineralsalze, Verdauungshilfsstoffe sowie Bakterien tötende Bestandteile. Erzeugt wird er in drei großen und mehreren kleinen Speicheldrüsen, die täglich zwischen einem halben und einem Liter herstellen. Bereits im Mund wird durch den Wirkstoff Ptyalin, einer sogenannten Alpha-Amylase, mit der Aufspaltung von Kohlehydraten begonnen. Ganz praktisch kann man diesen ersten Schritt der Verdauung wahrnehmen, indem man wenige Minuten auf einer Scheibe Weißbrot kaut. Diese wird in kurzen Augenblicken von einem anfänglich neutral schmeckenden Brei zu einem leicht Süßlichen. Fette, namentlich Triglyceride, werden durch im Speichel vorhandene Lipasen auf den Verdauungsprozess im Magen vorbereitet. Für die desinfizierende Wirkung im Speichel zeichnen Rhodanidione und Fluoride verantwortlich.

Speiseröhre
Ist der Speisebrei nun derartig vorbereitet, gelangt er über das Schlucken, einem weiteren Reflex, in die Speiseröhre. Auslöser ist ein Zusammenspiel von Gaumen und Zunge. Im oberen Bereich der benachbarten Luftröhre sitzt der Kehlkopfdeckel. Er verhindert das Eindringen des Speisebreis in die Luftröhre sowie den Nasen-Rachenraum und schützt sie somit. Bei der Speiseröhre handelt es sich um einen ca. 25cm langen und 2 cm breiten Schlauch, der sich bis auf das Doppelte ausdehnen kann. Auch in diesem Teil des Körpers wird der Nahrungsbrei durch peristaltische Bewegungen mit weiterem Schleim vermengt, um ihn noch geschmeidiger zu machen. In wenigen Sekunden hat der Speisebrei den Weg vom Mund über die Speiseröhre in den Magen gefunden. Am Magen angekommen öffnet sich das sogenannte Tor zum Magen, einem ringförmigen Schließmuskel. Dieser Muskel befindet sich am Übergang von Speiseröhre und Magen. Um zu verhindern, dass Magensäure in die Speiseröhre gelangt und diese reizt, verschließt dieser Muskel den Magen umgehend wieder. Es gibt jedoch Krankheitsbilder, bei denen dies nicht der Fall ist. Dies kann sich in Aufstoßen oder Sodbrennen äußern.

 Magen
Je nach Menge, die man gegessen hat, ist der Magen in der Lage sich auszudehnen. Durch weitere wellenförmige Bewegungen wir der Nahrungsbrei im Magen einer Vermengung mit der Magensäure unterzogen, die durch Drüsen in der Magenschleimhaut (Mukosa) gebildet werden. Der Magensaft enthält neben Salzsäure vor allem Schleim, das Eiweiß spaltende Enzym Pepsin und Mucoprotein, welches für die Resorption von Vitamin B12 im Krummdarm nötig ist. Nebenzellen stellen Mucine her. Dabei handeln es sich um strukturgebende und protektive Bestandteile des Schleims von Organismen die aus Biopolymere, einem heterogenen Polysacchariden, bestehen. Die wichtigste Aufgabe der Mucine ist der Schutz der Schleimhaut, hier der Magen, vor chemischen, physikalischen oder mechanischen Reizen. Theoretisch könnte der Magen sich sogar selbst verdauen. Da er aber im Inneren mit einer aus Mucine bestehenden Schleimschicht ausgekleidet ist, schützt diese ihn vor den Verätzungen. Im Speichel sorgen Mucine für die Viskosität des Speichels und die Gleitfähigkeit des Speisebreis. Nebenzellen sind zudem an der Zerlegung von Lipiden beteiligt. Belegzellen erzeugen Salzsäure, die den Magensaft insgesamt in pH-Wert Bereich von 2 bis 4 hält. Kommt es zu vermehrtem Erbrechen oder einer Fehlfunktion des Muskels am Ende der Speiseröhre, ist der Magensaft in der Lage Gewebe in der Speiseröhre nachhaltig zu schädigen. Je fettreicher die Nahrung ist, umso länger ist die Verweildauer im Magen. Dabei kann es sich um bis zu 8 Stunden handeln. Gastrin, ein Hormon, steuert die Bildung von bis zu 3 Litern Magensafts täglich. Nachdem die Nahrung ausreichend zersetzt ist, zieht sich der Magen zusammen und schiebt den Brei Richtung Magenende. Der dort befindliche Schließmuskel lässt in der Folge nur so viel Speisebrei in den Dünndarm, wie dieser verarbeiten kann.

Dünndarm
Der Dünndarm ist ein weiterer Teil des Verdauungstraktes und dient primär der Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung. Dazu ist er mit zahlreichen Zotten (Erhebungen) und Krypten (Einsenkungen) ausgekleidet, sodass die Oberfläche stark vergrößert wird und ein Vielfaches der Körperoberfläche erreicht. Er besteht aus Zwölffingerdarm, Leerdarm und Krummdarm und kann bis zu 6 Meter lang sein. Der Dünndarm ist Hauptort der Verdauung und der Resorption von Kohlehydraten, Proteinen, Lipiden, Vitamine und Wasser. Eine Entzündung des Dünndarms wird als Enteritis bezeichnet. Eine Enteritis kann durch eine Infektion mit verschiedenen Bakterien oder Viren verursacht worden sein. Nahrungsmittelunverträglichkeiten erzeugen Reaktionen im Dünndarm. Zöliakie durch eine Unverträglichkeit gegen Gluten ausgelöst.

Zwölffingerdarm
Dieser Bereich ist der erste Teil des Dünndarms und hat die Form eines C. Er beginnt am Magenausgang und mündet nach etwa 25 cm im Leerdarm, dem zweiten Teil des Dünndarms. Verdauungssäfte aus Galle, Bauchspeicheldrüse und Leber münden im Zwölffingerdarm, der im inneren eine fast glatte Oberfläche besitzt. An dieser Stelle wird weitere wichtige Verdauungsarbeit geleistet, indem Hormone und Botenstoffe bereitgestellt werden. Er ist beim Menschen ca. 30 cm lang, was etwa zwölf Fingerbreiten entspricht (daher der Name). Enzyme, die neben Verdauungsenzyme auch aus Bikarbonat bestehen, erhöhen den pH-Wert des Nahrungsbreis. Cholecystokinin fördert die Ausschüttung von Pankreasenzymen und Gallensäuren für die Fettverdauung. Ein Schließmuskel unterbricht die Verbindung von Zwölffingerdarm und Galle, wenn kein Gallensaft benötigt wird. Die Gallenblase fühlt sich. Galle wird für die Verdauung von Fett und fettlöslichen Vitamine benötigt. Er emulgiert Fett und treibt die Verdauung von Lipiden weiter voran. Gallensteine und eine Verdickung der Gallenflüssigkeit sind Anzeichen einer Störung der Galle. Die Bauchspeicheldrüse trägt die Verantwortung für das Niveau des Blutzuckerspiegels. Dazu wird das Hormon Insulin ausgeschüttelt, um den Blutzucker zu senken. Soll das Gegenteil bewirkt werden, kommt Glukagon zum Einsatz.

Leerdarm
Der Leerdarm ist der mittlere Abschnitt des Dünndarms zwischen Zwölffingerdarm und Krummdarm. Er macht etwa zwei Drittel der Länge des gesamten Dünndarms aus. Im ihm werden Nährstoffe und Wasser aus dem Nahrungsbrei resorbiert. Der Rest wird weiter in den Krummdarm transportiert. Der Name kommt daher, weil bei Verstorbenen dieser Teil des Darms immer leer erscheint. Seine Länge beträgt in etwa 2 bis 2,5 Meter. Leerdarm und Krummdarm sind nicht exakt abgegrenzt. Die Funktion und der Disposition beider Darmabschnitte ähneln sich zwar, sind aber nicht deckungsgleich. Leer- und Krummdarm stehen in Abhängigkeit. Der Darmwandaufbau ändert sich in kleinen Schritten. Zunächst werden fettlösliche Vitamine, Protein und wasserlösliche Vitamine resorbiert. Diese Nahrungsbestandteile gehen dann ins Blut über und gelangen so in alle Bereich des Körpers. Die Funktion und Bewegung des Leerdarms wird durch das enterische Nervensystem gesteuert.

Krummdarm
Der letzte Abschnitt des Dünndarms trägt den Namen Krummdarm. Die sogenannte Ileozäkalklappe trennt diesen vom Dickdarm ab. Sie wölbt sich im rechten Unterbauch als Einstülpung des letzten Anteils des Krummdarm in den Dickdarm vor und ist normalerweise nur in Richtung Dickdarm durchgängig, indem bei Dehnung des Darms ventilartig verhindert wird, dass Darminhalt – und mit diesem Bakterien – in den deutlich Keim-ärmeren Endabschnitt des Dickdarms eindringen kann. Genau wie die bereits erwähnten Darmbereiche hat der Krummdarm die Aufgabe, Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei aufzunehmen. Unter zuhilfe nahme des Intrinsischen Faktors, einem Glykoprotein, welches sich in der Magenschleimhaut bildet, wird Vitamin B12 an dieser Stelle des Darms aufgenommen. Vitamin B12 übernimmt im menschlichen Körper die Rolle eines Coenzyms und ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt, so auch an der Blutbildung , Zellreifung und die Funktionen des Nervensystems. Die Störung der Aufnahme von Vitamin B12 kann zu bösartiger Blutarmut führen. Weiterhin nimmt der Dünndarm insgesamt 80 Prozent des Wassers aus dem Speisebrei auf. Unter Zuhilfenahme von Lymphfollikeln finden Abwehrreaktionen gegen die mit der Nahrung aufgenommenen Bakterien im Krummdarm statt. Zu den an dieser Stelle gefährlichen Bakterien gehören Shigellen, Salmonellen oder Clostridien.

Dickdarm
Die unterhalb der Ileozäkalklappe befindliche Ausstülpung des Dickdarms wird Blinddarm genannt und trägt an ihrem unteren Pol den Wurmfortsatz. Der Dickdarm zeichnet für eine ganze Reihe von Aufgaben verantwortlich. Er ist ausgesprochen komplex aufgebaut und beheimatet das Mikrobiom, dem zentralen Bestandteil unseres Immunsystems. Es ist auch an der Synthese der Vitamine Biotin, Folsäure, Vitamin K und Niacin beteiligt. Dieses baut Zellulose und unverdauliche Bestandteile aus pflanzlicher Nahrung ab. Dabei entstehen Gase. Die unterschiedlichen Wandschichten des Dickdarms sind für die Peristaltik verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehört die weitere Aufnahme der Nahrungsbestandteile und der Entzug von Wasser und der darin gelösten Mineralien aus dem Nahrungsbrei. Die Immunabwehr, Beseitigung weiterer Krankheitserreger sowie die Eindickung der Nahrung spielen an dieser Stelle eine wichtige Rolle. Dem Kot wird Schleim beigemengt, um Gleitfähigkeit sicherzustellen. Er besteht aus unverdaulichen Nahrungsresten, Schleim, Wasser und Bakterien. Die braune Farbe kommt übrigens von Sterkobilin, einem Abbauprodukt der Gallenfarbstoffe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Nach oben